Müllpolizei

 

Vor wenigen Wochen wurde der Sylter aufgeschreckt von einem witterungsbeständigen und erstaunlich widerstandsfähigen Text-Lätzchen, dass er an seiner entleerten Mülltonne an der Straße beim Wiederreinholen vorfand und erfuhr: Ihr Insulaner seid zwangsfortzubildende Schlampen an der Mülleimertheke. Zu nachlässig wird getrennt, kaum einer nutzt die braune Biotonne, die gelbe ist nur für den grünen Punkt, die grüne für Papier, die graue nicht etwa das Auffanglager für alle Faulfinger, sondern für den raren Restmüll, also sofortige Besserung, bitte. Ab 1. Mai käme es in Folge dieser schriftlichen Nachschulung von Zeit zu Zeit zu „Stichproben“ (der arme Kerl, der den Auftrag bekommt!) und sollte der Müll nicht korrekt sortiert sein, behalte sich die Abfuhr Dienstverweigerung vor. Seither hadert der Sylter mit seinem Entsorgungsbetrieb und kann glücklicherweise vehement die Eröffnung eines Nebenkriegsschauplatzes betreiben: Nun sei ja dann fast schon Saison und der Gast als solcher unberechenbar und sowieso allerorten ein Müllanarchist und da könne man doch nicht den entsorgenden Urlauber kontrollieren, damit die Wohneinheit vor den Augen der Müllkontrolleure stets Gnade fände, was, wenn nicht, ein Desaster für jeden Gastgeber und die Insel sowieso sei. Nicht nur bei Abfuhrverweigerung stinke das Ganze im Sommer schnell zum Himmel und überhaupt: Man mal sich doch nur mal die Schlagzeile „Müllproblem auf Sylt“ aus und den Schaden, den das Thema der Marke zuführe und wie käme man denn rüber, wenn man den Gast jetzt mit Müllsortierungsprogrammen schulmeistere und wer das denn bitte leisten sollte, von der ohnehin am Anschlag agierenden Hochsaisonmannschaft.

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Gelb? Grü? Rein? Raus? Müllsortieren ist eine Wissenschaft für sich. Nicht nur auf Sylt.

Parallel wurde der Strand in Wenningstedt optisch bereichert: Nun kommt zur von vielen kritisch beäugten üppigen Strandversorgung mit immer mehr heransprießenden Bistros mitten im Naturschutzgebiet am Meer auch noch die voluminöse Strandentsorgung. Wir bleiben dran am Thema, drin im Müll und geben zu bedenken: Mülltrennung wird bundesweit betrieben, eventuell wird der Gast unterschätzt und der Sylter löst das Problem einfach, indem er sich schlicht an die eigene Nase fasst.

Kommentare

  1. Vielen dank für die Informationen. Ich gib mir wirklich große Mühe meinen Müll zu trennen und informiere mich auch immer. Aber wenn ich dann Leute sehe die sich keine Gedanken darüber machen, ist schon Traurig. Immerhin ist die Umwelt unsere Zukunft.

    Gruß Anna

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